Zukunftsweisende Forschungsprojekte

Die Berufsakademien Baden-Württemberg werden 2009 in eine Duale Hochschule umgewandelt und erhalten damit analog zu anderen Hochschulen einen staatlichen Auftrag für kooperative Forschung. Zwei Forschungsprojekte, die derzeit im Studiengang Maschinenbau / Virtual Engineering durchgeführt werden, zeigen, dass die Berufsakademie (BA) Mosbach hier Vorreiter ist. Prof. Dr. habil. Uwe Janoske forscht für zwei vollkommen unterschiedliche Branchen.

Im Bereich Medizin entwickelt die Arbeitsgruppe um Janoske in Kooperation mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt, dem angegliederten Klinikum, dem Klinikum der Philipps-Universität Marburg und der Fachhochschule Frankfurt ein klinisches Verfahren, das anhand von Strömungsmodellen die Gefährlichkeit von Aorten-Aneurysmen bewerten soll.

Aorten-Aneurysmen sind krankhafte Erweiterungen von arteriellen Blutgefäßen. Rund 15 Prozent aller Männer über 65 Jahre sind von dieser Krankheit betroffen. Frauen sind ebenfalls gefährdet, allerdings in höherem Alter. Unsicherheit besteht in der Frage, wann ein Aneurysma entfernt werden muss, um eine Ruptur, d.h. einen Riss der Gefäße, zu vermeiden, der meist tödlich ist. Ein Aneurysmen-Durchmesser von
55 mm gilt als kritischer Wert, der aus zwei klinischen Studien ermittelt wurde. Jedoch treten teilweise Rupturen bei kleineren Durchmessen auf bzw. keine Rupturen bei deutlich größeren Durchmessern. Ein tieferes Verständnis der Vorgänge (Strömung, Spannungen, Druck), die zu einem Riss führen, ist somit erforderlich. Auf Grundlage von Computer-Tomographie-Aufnahmen werden an der Berufsakademie Mosbach Simulationen durchgeführt, die neben der Blutströmung auch Spannungen in Aneurysmen berechnen und gefährdete Regionen erkennen lassen. Dies sind entscheidende Arbeitsgrundlagen für die Mediziner.

Das zweite Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem nicht minder bedeutsamen Feld der Abwasserreinigung beziehungsweise der Entsorgung von Rechengut. Im Rahmen eines AIF-Projektes (Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V.) entwickelt die BA Mosbach in Kooperation mit der KUHN GmbH, Höpfingen, eine Vorrichtung zur kontrollierten Entwässerung von Rechengut aus Kläranlagen.

Als Rechengut bezeichnet man alle Feststoffe, die über die Kanalisation in ein Klärwerk gelangen und zu Beginn der Klärung über einen Rechen abgetrennt werden können. Der Anfall von Rechengut in einer Kläranlage unterliegt starken Schwankungen und ist von einer Vielzahl an Parametern abhängig (Wochentag, Tageszeit, Einzugsgebiet der Kläranlage, Typ des Rechens, Wettersituation etc.). Die Entsorgung dieses hygienisch problematischen Abfalls ist extrem teuer, die Kosten sind vom Gewicht abhängig. Aus diesem Grund muss der Wassergehalt in den Reststoffen möglichst weit reduziert werden, was durch diese Neuentwicklung erreicht werden soll. Je stärker die Reststoffe komprimiert werden können, desto effizienter und umweltfreundlicher wird der gesamte Entsorgungsprozess. Dieses Projekt ist Vorbote der neuen Studienrichtung Verfahrenstechnik, die im Herbst 2008 an der BA Mosbach startet. Die Studierenden haben damit die Möglichkeit an aktuellen Entwicklungen zu partizipieren und sich im Rahmen von Studienarbeiten innovativen und spannenden Themen zu widmen.

Die Forschung an der Berufsakademie Mosbach ist, wie diese Beispiele aus dem Bereich Maschinenbau zeigen, praxisorientiert und führt zu Resultaten, die direkt ihre Anwendung finden. Ein weiteres Projekt zum Themenfeld Komfort im Automobil ist bereits genehmigt und wird noch 2008 anlaufen.